Abhängigkeit bei Jugendlichen erkennen

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Abhängigkeit bei Jugendlichen erkennen

      Mein Sohn macht mir in letzter Zeit große Sorgen. Er gammelt nur zu Hause rum, trinkt Bier und härtere Sachen und macht die Nacht zum Tage, vor allem aber den Tag zur Nacht. Sein erstes Studium hat er abgebrochen. Nun will er ein zweites beginnen, aber hat sich bisher nicht einmal um einen Platz im Studentenwohnheim gekümmert. Er ist 21 Jahre alt und lebt bei seinem Vater. Ich habe täglich Kontakt zu ihm, manchmal kochen und essen wir gemeinsam bei ihm. Diese Zeit ist dann meistens recht schön und wir genießen sie beide. Aber zu mir kommt er so gut wie gar nicht. Nach spätestens einer Stunde wird er unruhig und will nach Hause - immer, egal ob er nur so zu mir kommt oder wir eine Familienfeier haben.
      Noch mehr Sorgen mache ich mir, seit er vollkommen nervös ist, wenn ich unangemeldet oder kurzfristig bei ihm vorbei schaue. Dann meidet er den direkten Augen- und Körperkontakt. Er klagt haufig über Magen- Darmprobleme. Er vernachlässigt sich und seine Kleidung. In dem halben Jahr, in dem er alleine lebt hat er seine Wohnung derart verkommen lassen, dass es mich grauste. Er hatte nichts im Kühlschrank, nur Reste, die ich bei meinem letzten Besuch besorgt hatte.
      Ich dachte, wenn er wieder beim Vaer wohnt (bei mir will ernicht wohnen, weil meine Wohnung zu klein ist), dann würde alles wieder besser, aber das Gegenteil ist der Fall.
      Obwohl er nun ein halbes Jahr Zeit hatte, hat er immer noch nicht seinen Führerschein gemacht. Er tut eigentlich gar nichts. Wenn ich ihn bitte, mir zu helfen, dann stöhnt und mault erst ewig rum Ich bin voll berufstätig und habe auch abends häufig Sitzungen, so dass ich etwas Hilfe gut gebrauchen könnte.
      Das einzige, wozu er sich aufraffen kann, ist um saufen zu gehen mit seinen Freunden. Sein Vater schleppt ihm die Kästen Bier ins Haus und versorgt ihn auch mit Wisky, Wodka und anderen alkoholischen Getränken.
      Mein Sohn raucht inzwischen jeden mindestens eine Packung Zigaretten.
      Er ist oft kurzzeitig unerklärlich krank. Gestern hatte er große schwarze Ränder um die Augen. Man sieht ihm inzwischen an und merkt auch an seinem Verhalten, seiner Unruhe und Antriebslosigkeit, dass etwas mit ihm nicht stimmt.
      Wenn ich das Thema Trinekn, Rauche, Inter- oder überhaupt Sucht anspreche, wirft er mich raus und spricht nicht mehr mit mir.
      Was kann ich nur tun?
      :pfeif: Fast-Stief-Oma
    • ja, ich verstehe Dich :troest:

      es ist das Los einer Mutter, sich immer zu sorgen um ihre Kinder -
      ganz gleich, wie alt oder wie groß sie sind!

      Von Abhängigkeiten würde ich da noch nicht sprechen.
      Es könnte auch eine schwierige ''Phase'' sein, in der er gerade steckt.

      Ausgelöst, durch Liebeskummer oder aber auch ganz allgemeiner Unmut.

      Immerhin stellt er selbst nach und nach fest,
      dass es die ''heile Welt'' nicht gibt -
      auch keinen Schutz gegen das Leid.
      Denn es trifft uns alle irgendwann, wenn auch meist
      zum Glück nur vorübergehend.

      Aber das gehört zum Erwachsenwerden dazu.

      Er wird es überstehen und aus eigener Kraft aus diesem Loch rauskrabbeln.

      Versteh es mal so - er ist ''Mutters Schoß'' entwachsen
      und will jetzt selbst probieren, was seine Grenzen sind.
      Das Recht hat er - so oder so.

      Wir haben schließlich auch getan, was WIR wollten,
      obwohl wir auch meist nicht wussten, ob es sich später
      als richtig erweisen würde.

      Hätte man uns dieses Recht auf Eigenverantwortung genommen,
      wären wir rebellisch geworden - hundert pro!

      Du verlierst ihn ja nicht :bussy:

      Hauptsache, Du bist für ihn da, wenn er Dich zu sehen mag
      und zu sprechen wünscht - oder auch nur als gute Zuhörerin.

      Es ist hart, das mit ansehen zu müssen, das weiß ich -
      aber es geht nicht anders.
      Jeder von uns geht seinen eigenen Weg.
      Unsere Kinder sind nicht unser Eigentum.
      Aber das weißt Du ja :)
    • Danke omilein, dass Du Dir soviel Zeit genommen hast und Dir so viele Gedanken gemacht hast, um mir zu antworten.
      Natürlich hast Du in allem Recht. Meine Kinder sagen, ich würde schnell panisch reagieren. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich ein Kontrollfreak bin und es für mich schlimm ist, wenn ich mich hilflos fühle.

      Aber es steht fest:
      Mein Sohn ist abhängig und das gibt er auch zu, nämlich auf jeden Fall vom Nikotin. Er hat eine Veranlagung zu Asthma und er hat einen Herzschaden. Rauchen ist für ihn 100%ig lebensbedrohend.
      Und auch das Nicht-Trinken fällt ihm zumindest schwer.
      Ohne seine PC-Ballerspiele zu leben, kann er sich gar nicht vorstellen.
      Er sitzt mit zitternden Händen am Esstisch und kaum dass er den letzten Bissen gegessen hat, verschwindet er in "seiner Höhle".
      Das macht mir Angst. So einen Menschen habe ich in meiner Familie bisher nicht gekannt. Alle, die ich kenne, haben aufgehört zu rauchen oder zu trinken, nicht damit angefangen ... bis auf den Vater meiner Kinder, der nicht alkoholkrank ist, aber an den Wochenenden ziemliche Menge Alkohol vernichtet. Es war für mich mit ein Grund ihn zu verlassen, dass er immer versucht hat, mich ebenfalls abzufüllen ...

      Heute scheint es bei den Jugendlichen normal zu sein, mindestens jedes Wochenende einmal vollkommen betrunken zu sein, rumzuhängen und nichts zu tun .... obwohl meine Tochter uns das Gegenteil vorlebt. Und die ist auch lebenslustig, hat viele Freunde und feiert gern.

      Ich stelle gerade fest, dass ich mir vorkomme, wie der kleine Prinz:
      Der kleine Prinz

      Aber es reicht doch nicht, nur bestürzt zu sein und sich umzuwenden und zu gehen ... oder?
      :pfeif: Fast-Stief-Oma

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Halloma ()

    • Aber es reicht doch nicht, nur bestürzt zu sein und sich umzuwenden und zu gehen ... oder?


      :troest: wir werden darüber reden.

      welche Mutter könnte das schon, sich einfach umdrehen und gehen?

      Selbsthilfegruppen sind nicht nur eine ''Modeerscheinung'' sie erfüllen durchaus einen guten Sinn und Zweck!

      Durch die Erfahrungen und deren Austausch miteinander, lernen wir, mit solchen Lebenslagen besser umzugehen - allein schafft das kaum jemand, weil es eine zu schwere Last für einen allein ist.

      Und es ist eine bekannte Tatsache, dass es mir leichter ums Herz wird, wenn ich verstanden werde - und lerne, zu verstehen! :)

      Denn das ist es ja immer, dass Kontrollmenschen wie wir, verzweifeln an Dingen, die wir nicht verstehen - das ist es doch?

      Für den Betroffenen ist es ja ganz ähnlich. Er will ja auch verstehen, warum er so tickt, wie er tickt und kann es nicht.

      Ich verstehe Deine Verzweiflung gut. Und hier hilft nur, wenn Du selbst erstmal wieder Kraft auftankst - ein kleiner, feiner Urlaub ist genau das Richtige! :bussy: :herz1: